Betreuungskonzept

Worauf es uns ankommt:

In der Gemeinschaft etwas Schönes und Neues erleben, das Gefühl zu haben, nicht allein gelassen zu werden. Diesem Ziel dienen unsere Angebote in der Betreuung und verstehen sich als Ergänzung zu den Dienstleistungen im Pflegealltag.

Wir bieten den Menschen einen überschaubaren Rahmen, in dem sie sich in ihrer letzten Lebensphase willkommen, geborgen und zu Hause fühlen können. Das Wesentliche für die uns anvertrauten Menschen ist ein seelisch geistiges Umfeld.

Prinzipien unseres Handelns:

Mit unseren Betreuungs- und Veranstaltungsangeboten wenden wir uns an alle Bewohner des Hauses: Sowohl die Rüstigen, aktiven, interessierten als auch die altersverwirrten Menschen versuchen wir, für unsere Angebote zu gewinnen und zusammenzuführen.

Wo dies nicht möglich ist, bieten wir besondere Betreuungsangebote z.B. durch Einzelbetreuung und „Betreuungskreis“ Gruppe. In unserer Arbeit richtet sich der Blick darauf, was der Einzelne im jeweiligen Augenblick braucht. Selbstverständlich respektieren wir den Wunsch unserer Bewohner nach Ruhe und Zurückgezogenheit. Deshalb sind alle unsere Angebote freilassend. Wir bemühen uns aber darum, allen Bewohnern das Zusammenleben in der Gemeinschaft zu ermöglichen und Räume zu schaffen, in denen innere Beziehungen wachsen können.

Es geht uns in der Hauptsache darum:

  • Freude, Geselligkeit und Abwechslung in den Alltag zu bringen
  • Durch sich wiederholende Veranstaltungen die Woche und das Jahr zu gliedern
  • Der Gefahr des Rückzugs und der Resignation entgegenzuwirken
  • Den Menschen die Gewissheit geben, dass sie einbezogen sind in die Gemeinschaft und einander wahrnehmen können
  • Aufmerksamkeit und Beschäftigung für und mit den Jahreszeiten durch Blumen- und Tischschmuck, entsprechende Speisen und Veranstaltungen anzubieten
  • Alltagsnormalität als sinnstiftende Orientierung zu leben

Musik im Friedrich-Rittelmeyer-Haus:

Durch gemeinsames Musizieren werden für jeden Bewohner Momente geschaffen, in denen Alter, Einsamkeit und Krankheit vergessen werden können, und stattdessen Gefühle von Freude, Lebensbejahung und Geborgenheit in der Seele erklingen. Musik hilft Schmerz, Unruhe, Aggressivität, Niedergeschlagenheit und Ängste zu lindern und zu lösen, und hat deshalb einen besonders hohen Stellenwert in unserem Haus. Der Sterbeprozess wird durch Musik wohltuend begleitet.

Angebote:

  • Jahreszeitlicher Singkreis
  • Sitztanz
  • Musikalische Begleitung bei Jahreszeitenfesten
  • Einzelbetreuung
  • Musik in besonderen Situationen (Schmerz, Angst, Unruhe, Sterbeprozess)

Tagesgestaltung für Menschen in unserer Betreuung

Die Frage, wie wir in unserer Einrichtung dem wachsenden Anteil an Bewohnern mit einem besonderen Betreuungsbedarf gerecht werden, wie wir angemessen mit dem immer häufiger auftretenden Phänomen „Altersverwirrtheit“ umgehen, stand am Anfang unserer Planung für unser neu zu errichtendes Pflegeheim. Es stellten sich konzeptionelle Grundsatzfragen:

  • Welchen Stellenwert soll die Begleitung der Bewohner mit demenziellen Veränderungen zukünftig haben?
  • Welche Konsequenzen hat das für unser Selbstverständnis und für unser Bild in der Öffentlichkeit?
  • Welche Veränderungen werden für die Einrichtung notwendig?

Dabei war uns wichtig darauf zu schauen, mit welchen Betreuungs- und Versorgungsmodellen wir gute Erfahrungen gemacht haben, und was unserem Verständnis eines Altersmenschenbildes entspricht.

Wir konnten feststellen, dass seit Eintreten der Pflegeversicherung mit einem rein integrativen Betreuungskonzept, in dem körperlich pflegebedürftige Menschen und Menschen mit Orientierungsstörungen gemeinsam auf einem Wohnbereich betreut werden, die Versorgung nicht mehr so geleistet werden kann, wie sie dem besonderen Betreuungsbedarf beider Gruppen entspricht. Konnte am Anfang einer Demenz die „normale“ Welt noch als Orientierung dienen, eine Welt, in der der Mensch Halt finden und liebevoll unterstützt werden kann, führt es bei Fortschreiten der Demenz zu einer hohen Belastung und zu Konflikten mit den Nicht-Dementen. Wir müssen die subjektive Eigenwelt der dementen Menschen anerkennen und ihnen ein Leben in ihrer Eigenwelt ermöglichen. Es macht keinen Sinn mehr, sie ständig zu korrigieren und „erziehen“ zu wollen.

Eine reine Segregation (Betreuung in einer speziellen Wohngruppe) kam für uns ebenfalls nicht infrage. Wir hätten dadurch nicht gelöst, wie wir Bewohner, die dort keine Aufnahme finden würden, adäquat in den anderen Wohnbereichen versorgen könnten.

Diese Überlegungen flossen in die Planung unseres neuen Pflegeheims mit ein. Wir gestalteten einen genügend großen Gruppenraum mit einer Wohnküche im Dachgeschoss, in dem unsere Tagesbetreuung stattfinden sollte, und entschieden uns für eine Kombination beider Modelle in Form einer tagesstrukturierten Ganztagsbetreuung.

Wichtig ist uns:

  • Die Angebote stehen allen Bewohnern des Hauses offen
  • Vertraute Aktivitäten bilden den Rahmen, vermitteln das Gefühl von Geborgensein und geben Sicherheit
  • Liebevolle Begleitung und Hilfe durch unsere professionellen Betreuungskräfte und ehrenamtlichen Helfer
  • Eine Ausgewogenheit zwischen „Hülle“ bilden und Anregung schaffen
  • Genügend Raum für Rückzug und die Angebote müssen dem Altersmenschenbild entsprechen

Unser Betreuungskreis:

Täglich werden Bewohner mit demenziellen Veränderungen ab dem Frühstück bis nach dem Abendessen in einer besonderen Form und extra dafür ausgestatteten Räumlichkeiten im 4. Stock mit angrenzender Dachterrasse ihren Bedürfnissen entsprechend begleitet.

Den Tag im Betreuungskreis zu verbringen bedeutet für die Bewohner, sich in einem geschützten, bekannten Raum aufzuhalten. Hier wird durch wiederkehrende Abläufe und vertraute Betreuungskräfte Sicherheit und Ruhe gegeben. Die Bewohner erfahren eine geistige und körperliche Aktivierung. Ängste und Unruhe werden wahrgenommen und entsprechend dem Krankheitsbild begleitet. Durch das Wissen um die Biografie der Einzelnen und die Vertrautheit in der Gruppe kann auf jeden Teilnehmer individuell eingegangen werden. Erfolgserlebnisse und Stärkung der Persönlichkeit verbessern das Selbstwertgefühl. Die Aktivierungsangebote werden in regelmäßigen Abständen evaluiert und den Bedürfnissen der Teilnehmer angepasst.

Die Tagesstruktur wird gegeben durch die gemeinsamen Mahlzeiten und durch den Rhythmus der wechselnden und immer wiederkehrenden Angebote am Vormittag und Nachmittag (siehe Veranstaltungsliste).

Frühstück, Kaffee und Abendbrot wird nach den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der Bewohner gestaltet. Das Mittagessen wird im Schüsselsystem von Mitarbeitern der Küche serviert.

Die Ausstattung unserer integrierten Wohnküche erlaubt es uns, dass dort unsere Bewohner Speisen wie z.B. Nachtisch, Kuchen, Plätzchen, Waffeln etc. selbst zubereiten können. Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee und selbst gebackenem Kuchen schafft ein Gefühl von Vertrautheit und bedeutet Anregung der Sinne.

Der tägliche Morgenkreis beinhaltet die tages- und jahreszeitliche Orientierung, das Lesen des Wochenevangeliums, Singen, Gedächtnistraining, Vorlesen von Gedichten und Märchen und körperliche Aktivierung in Form von Ball- und Bewegungsspielen.

Die Bewohner werden in der Mittagspause in ihre Zimmer begleitet um sich dort auszuruhen, oder halten Mittagsruhe in bequemen Liegesesseln im Gruppenraum. Zum Kaffeetrinken und Abendessen sind die meisten Teilnehmer des Betreuungskreises wieder in der 4. Etage.

Am Nachmittag findet für die Bewohner des Betreuungskreises und andere Bewohner des Hauses eine Aktivierung in Form von

  • Kreativangebot
  • Spielenachmittag
  • Leserunde
  • und Wochenausklang

statt.

Die große Dachterrasse steht für Gespräche und zum Verweilen zur Verfügung. Ebenso können Bewohner ihrem Bewegungsdrang folgen und kehren sicher wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Hochbeete, die auch mit dem Rollstuhl unterfahrbar sind, bieten Möglichkeit zum Gärtnern; Blumen und Kräuter verströmen ihren Duft und wecken Erinnerungen.

Ganz besonders freuen sich unsere Bewohner, wenn dienstags der Ausflug zum Wochenmarkt erfolgt. In Begleitung unseres Betreuungsteams und mit Unterstützung durch Ehrenamtliche können auch Bewohner, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, daran teilnehmen.

Betreuungsinhalte unserer Einrichtung

Regelmäßige Angebote an verschiedenen Wochentagen (siehe auch Veranstaltungsplan).

Morgenkreis für Menschen mit Demenz

Aktivierungsstunde mit unterschiedlichen Inhalten im Betreuungskreis: An sieben Tagen in der Woche findet für eine Stunde entweder der Morgenkreis (tages- und jahreszeitliche Orientierung, Lesen des Wochenevangeliums, Bewegung, Gedächtnistraining, Märchenlesung und Singen) oder Eurythmie, Sitztanz, Singkreis, ökumenische Andacht statt. An diesem Kreis nehmen auch andere Bewohner des Hauses teil.

Ökumenische Andacht am Sonntag

Durchgeführt von Ehrenamtlichen und Mitarbeitern in der Betreuung.

Kreativangebot

Tätigkeiten und alte Erinnerungen werden durch Aktivitäten hervorgeholt. Das Angebot umfasst Backen, Kochen, Malen mit Aquarellfarben und Erstellen von jahreszeitlichen Dekorationen. Hierbei geht es vor allem um das Erhalten von Alltagsfähigkeiten.

Eurythmie

Die Eurythmie ermöglicht es den Menschen jeden Alters, selber Sprache und Musik in Bewegung umzusetzen. Lieder, kleine Musikstücke oder Gedichte werden bewegt, indem der Rhythmus oder der Takt geklatscht oder mit den Armen sichtbar gemacht wird.

Lyrikkreis (14-tägig)

Eine wunderbare Weile taucht die Gruppe gemeinsam in ein Blumenmeer lyrischer Sprache.

Therapeutisches Malen

Durch den Umgang mit der angerührten, aufgelösten Farbe wird versucht, die schöpferischen Kräfte der Seele wachzurufen. Jahres- und Tageszeiten, Landschaften, Pflanzen- und Tiermotive, Märchen- und Gedichtsinhalte vermitteln ein umfangreiches Erleben.

Sitztanz

Ob jung oder alt, beim Tanzen im Sitzen bleibt keiner kalt! Mit Bällen, Tüchern, Wedeln zu Walzer, Rumba, Cha-Cha-Cha: Bewegung tut gut, macht allen Mut!

Der Spielekreis

In geselliger Runde werden Konzentration und Kommunikation, Fingerfertigkeit, Geduld und Rücksichtnahme durch unterschiedliche Gesellschaftsspiele geübt und Freude entsteht.

Lesekreis

In gemütlicher Atmosphäre treffen sich Bewohner, um sich aus der klassischen Literatur oder aus Biografien etwas vorlesen zu lassen. Erinnerungen werden wachgerufen und es entwickeln sich anregende und persönliche Gespräche. Eingerahmt wird diese Stunde durch Lieder und Gedichte.

Bewegung für Körper und Geist

Durch körperliche Bewegung und geistige Anregung werden die Teilnehmer ganzheitlich aktiviert, es entwickelt sich ein positives Bewusstsein.

Der Singkreis

Im musikalischen Wanderschritt geht es frohgemut mit vielen bunten Volksliedern von Woche zu Woche durch Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Dabei werden ganz bewusst die Jahreszeiten, die christlichen und persönlichen Fest- und Gedenktage wie Einzug, Geburtstag, Todestag usw. gewürdigt.

Wochenausklang

Betrachtungen zum Evangelium des folgenden Sonntags durch einen Pfarrer der Christengemeinschaft.

Einzelbetreuung:

Ausgehend vom ganzheitlichen Pflegeverständnis (siehe Pflegeleitbild) werden unsere Bewohner in der täglichen Grundpflege durch basale Stimulation, aktivierende und biografische Gespräche angeregt und begleitet. Darüber hinaus ist eine besondere Einzelbetreuung für immobile, bettlägerige Bewohner mit Wahrnehmungsverlusten sinnvoll und notwendig. Außerdem werden Bewohner, die nicht an den regelmäßigen Angeboten und besonderen Veranstaltungen teilnehmen, in der Einzelbetreuung aktiviert und wertgeschätzt.

In der Einzelbetreuung von Bewohnern, die unter einer psychischen Problematik leiden, liegt der Schwerpunkt im Gespräch und in der Fähigkeit zuhören zu können und sensibel für verbale und nonverbale Äußerungen zu sein. Das körperliche und seelische Befinden des Bewohners bestimmt den Verlauf des Gesprächs. Von besonderer Bedeutung ist das einfühlende Verstehen, das auf Akzeptanz und Echtheit beruht. Das vorrangige Ziel in der Arbeit mit demenzkranken Bewohnern besteht darin, dem Bewohner durch einfühlendes Verhalten zu helfen, sein Leben mit der Krankheit besser bewältigen zu können und seine Würde zu erhalten.

In der Einzelbetreuung von immobilen und bettlägerigen Menschen ist die basale Stimulation eine häufig angewandte sozialtherapeutische Behandlungsmethode. Hinter diesem Begriff steht das Konzept, die Menschen mit Wahrnehmungsstörungen so anzuregen, dass diese mit sich und der Umwelt wieder in Kontakt treten können. Dies geschieht durch die bewusste aufmerksame Zuwendung zu diesem Menschen und durch das ausgewählte Angebot unterschiedlicher Kommunikationsformen, die nicht wesentlich an Sprache gebunden sind, sondern z.B. durch Kontaktaufnahme über die Haut erfolgen.

Die Einzelbetreuung in unserem Haus wird von ausgebildeten Alltagsbegleiterinnen und geschulten Pflegekräften täglich von montags bis freitags durchgeführt. Alle inhaltlichen Angebote in der Einzelbetreuung orientieren sich an der Biografie der Bewohner und ihrer gegenwärtigen Lebenssituation.

Inhalte der Einzelbetreuung:

  • Musizieren, Singen
  • biografische Gespräche
  • aktivierende Gespräche
  • Gedächtnistraining
  • Rätsel, Wortspiele, Sprichworte
  • Vorlesen (Gedichte, Märchen)
  • basale Stimulation
  • Bewegungsübungen

Ziele der Einzelbetreuung:

  • Vermeidung von Rückzug und Resignation
  • Erhalt und Förderung der individuellen Fähigkeiten
  • Gefühl der Geborgenheit und des Angenommenseins
  • Aufbau und Erhalt von Beziehungen
  • Lebensfreude und Wertschätzung

Erfahrungen in der Einzelbetreuung:

Aufgrund intensiver Zuwendung erfolgt ein deutlich besseres Wohlbefinden des Bewohners. Die individuelle Beachtung seiner Persönlichkeit und Bedürfnisse bewirken ein höheres Selbstwertgefühl.

Besondere Veranstaltungen:

  • Jahreszeitenfeste (4 – 6-mal jährlich)
    Ein auf die Jahreszeit abgestimmter Nachmittag mit Singen, musikalischer Begleitung, Gedichten, Geschichten und jahreszeitlicher Dekoration zu Kaffee und Kuchen
  • Klassische Konzerte
  • Diavorträge
  • Märchenerzähler
  • Reiseberichte
  • thematische Vorträge
  • Ausflüge in die Umgebung
  • Andachten
    Alle zwei Monate findet eine Evangelische Abendmahlsandacht mit dem Pastor der Friedenskirche statt.
  • Angehörigentreffen
    Mindestens 1-mal jährlich treffen sich Freunde und Angehörige zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch, um Fragen stellen zu können und um Anregungen zu besprechen. Da jeweils ein Vertreter der Heimleitung, der Pflegedienstleitung und dem begleitenden Dienst anwesend ist, können Themen aus allen Bereichen angesprochen werden. Darüber hinaus finden Adventsnachmittage statt, zu denen jeweils Bewohner mit ihren Angehörigen eingeladen sind.